Kühlung von Rechenzentren: Cooling-Types und Anforderungen an die Messtechnik

Überprüfung der Sensordaten für die Kühlung von Rechenzentren

Kühlsysteme und Technologien

Die Kühlung von Rechenzentren ist einer der kritischsten und energieintensivsten Prozesse im gesamten IT-Betrieb. Sie verbraucht oft mehr als 30 % der eingesetzten Gesamtenergie. Die Wahl des passenden Kühlsystems entscheidet maßgeblich über Effizienz und Ausfallsicherheit. Welches Kühlsystem eingesetzt wird, bestimmt wiederum, welche Sensoren an welchen Messpunkten sitzen müssen. 

Dieser Artikel gibt einen Überblick über

 

  • alle gängigen Kühlsysteme für Rechenzentren
  • ihre Anforderungen an die Messtechnik und 
  • wie E+E Sensoren für einen stabilen und normkonformen Datencenter-Betrieb sorgen.

Kühlung: Der größte Hebel für Energieeffizienz und Stabilität von Rechenzentren

Prognosen der International Energy Agency (IEA) deuten auf eine Verdopplung des globalen Stromverbrauchs von Datacentern bis 2030 hin. Angesichts dieses rasant steigenden Energiebedarfs wird eine effiziente Kühlung zum entscheidenden Faktor für die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit von Rechenzentren. Die Anforderungen sind gewaltig:

 

  • Falsch konfigurierte oder unzureichend überwachte Systeme führen nicht nur zu hohen Betriebskosten, sondern auch zu einem erhöhten Ausfallrisiko. 31 % der Rechenzentren verzeichnen mindestens einen Ausfall pro Jahr.
  • Maßgebliche Normen und Richtlinien, allen voran die der ASHRAE (American Society of Heating, Refrigerating, and Air-Conditioning Engineers) und die europäische Normenreihe EN 50600, definieren klare Standards für Temperatur und Feuchtigkeit.

 

Wer Kühlungsysteme in Rechenzentren nicht präzise überwacht, verschenkt Energie und riskiert Ausfälle.

Air Cooling: Die etablierte Kühlung von Rechenzentren

Die Luftkühlung, oft als Air Cooling bezeichnet, ist nach wie vor der Standard in den meisten Data Center Bestandsanlagen. Die luftbasierte Kühlung von Rechenzentren nutzt das Prinzip der Gang-Einhausung (Aisle Containment), um die gekühlte Zuluft strikt von der warmen Abluft der Server zu trennen.

Cold Aisle Vs. Hot Aisle Containment

Es gibt zwei Varianten der Gang-Einhausung, die sich in ihrer Herangehensweise unterscheiden:

  • Cold Aisle Containment (CAC): Hier wird der Kaltgang, aus dem die Server ihre kühle Zuluft ziehen, eingehaust und vom Rest des Rechenzentrums abgetrennt. Dies verhindert, dass sich die Kaltluft mit der warmen Umgebungsluft vermischt, bevor sie die Server erreicht. 
  • Hot Aisle Containment (HAC): Bei dieser Methode wird der Warmgang eingehaust. So wird die heiße Abluft der Server gesammelt und direkt zur Kühlung zurückgeführt. Dadurch der restliche Raum des Rechenzentrums kühl.

 

Beide Methoden zielen darauf ab, die Rücklufttemperatur zur Kühlanlage zu erhöhen, was deren Effizienz steigert. Die Wahl zwischen CAC und HAC hängt oft von den baulichen Gegebenheiten und der spezifischen Anordnung der IT-Infrastruktur ab.

Luftkühlung: Anforderungen an die Messtechnik

Die größte Herausforderung bei diesem Ansatz ist die Vermeidung von Bypass-Luft und Leckagen, die die Effizienz drastisch reduzieren. Ein unbemerkter Luftaustausch zwischen den Gängen führt dazu, dass die Kühlsysteme mehr leisten müssen als eigentlich notwendig. 

Für ein effizientes und sicheres Air Cooling im Data Center ist die präzise Überwachung folgender Parameter entscheidend:

  • Differenzdruck:  Ein stabiler Überdruck von 10 bis 20 Pa im Kaltgang stellt sicher, dass die kalte Luft nur dorthin strömt, wo sie gebraucht wird: durch die Server-Racks.
  • Temperatur & Feuchte: Die Einhaltung der ASHRAE-Normen (18–27 °C, 20–80 % rF) schützt die IT-Hardware vor Ausfällen durch Hot-Spots, Korrosion und elektrostatische Entladung.

Liquid Cooling: Die Zukunft der Kühlung von Rechenzentren

Mit steigenden Rack-Dichten, insbesondere durch KI-Anwendungen, stößt die Luftkühlung an ihre physikalischen Grenzen. Die Branche geht davon aus, dass sie in den nächsten 5–10 Jahren schrittweise durch Liquid Cooling ergänzt oder ersetzt wird. Bei diesen flüssigen Kühlsystemen für Rechenzentren ist die Wärmeabfuhr deutlich effizienter.

Varianten der Flüssigkeitskühlung

Die Flüssigkeitskühlung lässt sich in verschiedene Ansätze unterteilen, die sich in ihrer Komplexität und Effizienz unterscheiden:

  • Direct Liquid Cooling (DLC) / Direct-to-Chip: Hier fließt die Kühlflüssigkeit durch kleine Röhren und sogenannte Cold Plates direkt zu den heißesten Komponenten wie CPUs und GPUs geleitet. Die Flüssigkeit nimmt die Wärme auf und transportiert sie ab.
  • Immersionskühlung (Tauchkühlung): Dies ist die radikalste und zugleich effizienteste Methode der Kühlung von Rechenzentren. Hier werden ganze Server oder IT-Komponenten direkt in eine nicht leitende Kühlflüssigkeit getaucht, was die Wärmeübertragung maximiert.
  • Zweiphasen-Flüssigkeitskühlung: Bei dieser fortschrittlichen Variante (die sowohl bei DLC als auch bei der Immersionskühlung zum Einsatz kommen kann) verdampft die Kühlflüssigkeit direkt an der heißen Oberfläche der Komponente. Der Phasenwechsel von flüssig zu gasförmig entzieht der Hardware extrem viel Wärme.

Flüssigkeitskühlung: Anforderungen an die Messtechnik

Liquid Cooling im Data Center bringt neue messtechnische Herausforderungen mit sich:

  • Kondensationsrisiko: Bei der Flüssigkeitskühlung muss der Taupunkt im Rack präzise überwacht werden, um die Bildung von Kondenswasser an kritischen Bauteilen zu verhindern. 
  • Effizienz von Kühltürmen: Für den Betrieb von Kühltürmen ist die exakte Messung der Feuchtkugeltemperatur entscheidend, um die Verdunstungskühlung optimal zu regeln. 
  • Qualität der Kühlflüssigkeit: Ein kritisches Problem ist die Feuchte in Kühlflüssigkeiten. Eine kontinuierliche Qualitätsüberwachung, beispielsweise über E+E Feuchte-in-Öl-Sensoren, ist unerlässlich, um die Eigenschaften des Mediums zu sichern.

So sorgen E+E Sensoren für eine effiziente und sichere Kühlung von Rechenzentren

Jedes Kühlsystem stellt andere Anforderungen an die Sensorik. Entscheidend ist jedoch nicht nur, was gemessen wird, sondern wo. Falsch platzierte oder ungenaue Sensoren führen zur Überkühlung oder Überhitzung des IT-Equipments. Ein energieeffizienter und ausfallsicherer Betrieb braucht präzise und langzeitstabile Sensoren. Bereits eine um 0,5 °C genauere Temperaturmessung kann den Energieverbrauch der Kühlung um 4–5 % senken.

 

E+E Sensoren wurden speziell für den anspruchsvollen 24/7-Betrieb in Rechenzentren entwickelt und garantieren: 

 

  • hohe Messgenauigkeit mit direktem Einsparungspotential (bis zu ±0,1 °C bei der Temperatur)
  • Sensor-Coating zum Schutz vor Korrosion 
  • hohe Langzeitstabilität ohne Drift durch Funktionen wie ARC (Automatic Recovery) oder Condensation Guard
  • Normenkonformität nach ASHRAE, DIN EN 50600 / ISO/IEC 22237
  • BMS/BAS-Kompatibilität (Modbus RTU)

Welche Sensoren für welches Kühlsystem?

Die folgende Tabelle zeigt, welche Messgrößen und Sensoren für die gängigsten Kühlsysteme für Rechenzentren entscheidend sind:

KühlsystemKritische MessgrößeWarum entscheidendE+E Sensor
Air CoolingTemperatur Rack-Einlass/-AuslassHot-Spot-Erkennung, ASHRAE-Konformität (18–27 °C)EE074, HTS401, EE451
 Relative FeuchteESD-Schutz, Korrosions- und Kondensations-vermeidung (50–55 % rF optimal)EE072, HTS401
 Differenzdruck Kalt-/WarmgangDruckkaskaden sicherstellen (10–20 Pa), Leckage DetektionEE610
 Luftströmung Unterflur/Rack-Einlass-AuslassLüfterregelung, Rückströmungen verhindern, (0-1 m/s) EnergieoptimierungEE671, EE650, EE660
Liquid Cooling / DLCVorlauf-/Rücklauftemperatur KühlwasserRegelung Wärmetauscher, EffizienzEE074, EE431, EE471
 Taupunkt im RackKondensationsschutz bei GPU-Racks (>30 kW)EE072, EE046 Condensation Monitor
Cooling towerAußenluft Temperatur + FeuchteFree-Cooling-Strategie, PUE < 1,2 möglichEE260, EE451
ImmersionskühlungFeuchte in KühlflüssigkeitQualitätsüberwachung Dielektrikum, Leckage ErkennungEE364 / MOP301

Tabelle 1: Möglicher Einsatz von E+E Sensoren im Rechenzentrum

Kühlung im Rechenzentrum braucht anwenderspezifische Messtechnik

Die Wahl des Kühlsystems ist eine strategische Entscheidung. Air Cooling bleibt der Standard für viele Bestandsanlagen. Liquid Cooling gewinnt in High-Density Data Center Anwendungen immer mehr an Bedeutung. Was jedoch alle Konzepte verbindet: Ohne valide Sensordaten lässt sich kein Kühlsystem sicher, effizient und normkonform betreiben. Dafür braucht es aber die passende Messtechnik.

 

E+E Elektronik ist Ihr verlässlicher Partner für die präzise Überwachung aller Arten der Kühlung von Rechenzentren und liefert maßgeschneiderte, robuste und einfach zu integrierende Sensorlösungen.

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