Zeit und Kosten sparen in der Feuchtemessung

Eva Schönhart

Condensation Guard und rapidX im HTS401

In vielen Anwendungen ist die relative Luftfeuchte (rF) keine Komfortgröße, sondern eine wichtige Prozessgröße. Ob Rechenzentrum, Reinraum, Kühlraum, Stallklima oder Lebensmittelreifung: Feuchte und Temperatur müssen dauerhaft überwacht werden. Genau hier punktet der HTS401. Er kombiniert sehr genaue Feuchte- und Temperaturmessung mit zwei Funktionen, die einen spürbaren Unterschied machen: Condensation Guard und rapidX.

Dieser Beitrag zeigt, wie beide Funktionen in der Praxis Kosten, Zeit und Nerven sparen.

Warum Kondensation und Kalibrierung kritische Punkte sind

Feuchtesensoren sind oft rauen oder instabilen Umgebungsbedingungen ausgesetzt. 
Typische Herausforderungen sind:

  • Luftfeuchte, die immer wieder in den Bereich knapp unter 100 % rF steigt
  • plötzliche Temperaturstürze, etwa beim Lüften oder bei Kaltluftzufuhr
  • in weiterer Folge Kondensation auf Filterkappen und Sensorelementen
  • chemisch anspruchsvolle Atmosphären, die zu Verunreinigungen am Element führen

     

Trifft Wasser in Form von Kondensation auf den Sensor, gibt es zwei Hauptprobleme:

  • Verzögerte Ansprechzeit: Der Sensor zeigt Sättigung, obwohl die Umgebungsluft schon wieder trockener ist. Die Messwerte bleiben nahe 100 % rF stehen.
  • Begünstigung von Korrosion, Verschmutzung und Langzeitdrift.

Zusätzlich müssen Feuchte- und Temperatursensoren in validierten oder qualitätskritischen Prozessen regelmäßig kalibriert werden. Klassisch bedeutet das: Demontage, Versand ins Labor, Rückversand und Wiederinbetriebnahme. Oder aufwändige Vor-Ort-Kalibrierung der Messgeräte. Je nach Prozess kann so ein Messpunkt bis zu mehreren Wochen fehlen.

Mit dem HTS401 wird beiden Themen gezielt entgegengesetzt.

Der Condensation Guard im HTS401 schützt vor Kondensationsfolgen

Der HTS401 ist für den Einsatz in anspruchsvollen Umgebungen konzipiert. Neben dem E+E Sensor-Coating besitzt der Sensor spezielle Heizfunktionen: die AutomaticRecovery-Funktion (ARC) und den Condensation Guard. Zielt das ARC eher auf chemische Belastungen ab, wurde der Condensation Guard (CG) speziell für hochfeuchte Betriebsbedingungen entwickelt.

Funktionsweise des Condensation Guards:

  • Der HTS401 überwacht kontinuierlich die Feuchteverhältnisse am Sensorelement.
  • Wird ein definierter Schwellenwert erreicht, typischerweise zwischen 95 und 99 % rF, ist das ein Hinweis auf drohende Betauung am Sensor.
  • In diesem Moment hebt der Condensation Guard die Temperatur des Sensorelements leicht an.
  • Dadurch sinkt die relative Feuchte direkt am Sensor, Wasserfilme verdunsten schneller und Kondensation wird entweder verhindert oder schneller wieder abgebaut.

Das Ausgangssignal bleibt stabil, auch wenn die Umgebung immer wieder an die Sättigungsgrenze heranreicht. Das reduziert Messfehler und vermeidet Ausfälle, etwa in Kühlräumen, landwirtschaftlichen Belüftungssystemen oder Outdoor-Installationen.

Versuche mit dem HTS401 zeigen sehr anschaulich, wie sich das im Detail äußert.

Klimakammertest bei 15 Grad Celsius und nahezu 100 % rF

Im Versuch wurden mehrere HTS401 in einer Klimakammer bei 15 Grad Celsius betrieben. Die Feuchteregelung war auf 95 % rF eingestellt, pendelte in der Praxis jedoch zwischen 95 und 100 % rF. Auf den Prüflingen trat Kondensation auf.

Es liefen zwei Gruppen parallel:

  • HTS401 ohne aktivierten Condensation Guard
  • HTS401 mit aktivem Condensation Guard

Die Messdaten zeigen:

  • Die Sensoren ohne Condensation Guard verbrachten einen großen Teil der Messzeit im Sättigungsbereich. Je nach Kanal lag ein sehr hoher Anteil der Messpunkte bei 99,9 % rF oder höher.
  • Die Sensoren mit aktivem Condensation Guard waren deutlich seltener im Sättigungsbereich. Hier lag der Anteil an Messpunkten bei 99,9 % rF und höher deutlich niedriger.

Zusätzlich sind bei jenen HTS401 mit Condensation Guard regelmäßige Feuchtesprünge nach unten sichtbar. Sie entstehen durch die Aktivierung des Condensation Guard in einem Intervall von etwa 30 Minuten, wenn das Sensorelement kurzzeitig erwärmt wird.

Die Kernaussage: Ein HTS401 mit aktivem Condensation Guard bleibt bei hoher Feuchte deutlich kürzer im Kondensationszustand und folgt Feuchteänderungen in der Nähe von 100 % rF sichtbar schneller als ein Gerät ohne Condensation Guard.

Außentest bei Tau und Morgensonne

Ein zweiter Versuch lief mit HTS401 im Außenbereich über mehrere Tage im Oktober. In den Nachtstunden kam es zu Kondensation auf Sensor und Filterkappe. Mit Sonnenaufgang sank die relative Feuchte der Umgebungsluft schrittweise wieder ab.

Auch hier wurden zwei Gruppen verglichen:

  • HTS401 ohne aktivierten Condensation Guard
  • HTS401 mit aktivem Condensation Guard

Im Feuchtediagramm wird deutlich:

  • Die Sensoren ohne Condensation Guard bleiben nach einem Kondensationsereignis lange im Bereich sehr hoher relativer Feuchte, obwohl die Luft bereits abtrocknet.
  • Die Sensoren mit aktivem Condensation Guard lösen sich schneller von diesen hohen Werten und geben zügiger die tatsächliche Umgebungsfeuchte aus.

Nach Tauphasen oder schnellen Temperaturwechseln sind Sensoren mit Condensation Guard schneller wieder im echten Prozesswert, statt über längere Zeit bei 100 % rF festzuhängen.

Zeitlicher Vergleich der Feuchtemessung von HTS401 Sensoren bei nahezu 100 % rF mit stabilem Verhalten der Standardversion und stärkeren Abweichungen der HTS401-CG-Varianten unter Hochfeuchte.
HTS401 Verhalten unter Hochfeuchte

rapidX im HTS401: Beispiel Kalibrierung

Neben der Messstabilität unter rauen Bedingungen ist bei vielen Prozessen die Frage des Zeitaufwandes für die regelmäßig notwendige Kalibrierung entscheidend. Der HTS401 bietet hierfür die rapidX Technologie, ein intelligentes Messmodul für Feuchte und Temperatur, das sich im Feld austauschen lässt.

Klassische Wege zur Feuchtesensorkalibrierung

Je nach Prozess und Qualitätsanforderung gibt es mehrere etablierte Vorgehensweisen:

  • Einsenden in ein Kalibrierlabor. Der Sensor wird ausgebaut, verpackt und an das Labor geschickt. Dort erfolgt die Kalibrierung gegen rückgeführte Normale, anschließend der Rückversand. In dieser Zeit fehlt der Messpunkt im Prozess, typischerweise bis zu drei Wochen.
  • Vor-Ort-Kalibrierung mit Referenzmessgerät. Der Sensor bleibt installiert und wird mit einem Handkalibriersystem justiert. Die Kalibrierung kann so direkt an der Messstelle erfolgen.

Beide Ansätze sind messtechnisch bewährt, haben aber jeweils ihren Preis, entweder in Form von Stillstandszeiten oder im Zeitbudget des Serviceteams.

Modultausch statt Stillstand

Die rapidX Option des HTS401 setzt genau hier an. Das Messmodul des HTS401 ist intelligent und vorkalibriert abgeglichen.

In der Praxis bedeutet das:

  • Das rapidX Messmodul lässt sich im Feld ohne Werkzeug tauschen.
  • Für einen kompletten Servicevorgang durch Entfernen der Filterkappe, Modultausch, optionalem Filterwechsel und Wiederinbetriebnahme werden typischerweise nur wenige Minuten pro Messstelle benötigt.
  • Eine aufwendige Vor-Ort-Kalibrierung entfällt, da jedes rapidX Modul werkseitig kalibriert ist.
  • Zu jedem rapidX Modul steht ein digitales Abnahmeprüfzeugnis nach DIN EN 10204 3.1 bereit, abrufbar über den E+E Zertifikatsservice.

Der Unterschied zum klassischen Einsenden ist damit deutlich. Statt eines Messausfalls von bis zu drei Wochen wird die Kalibrierung auf einen kurzen Modultausch reduziert. Der Prozess bleibt in der Regel durchgängig in Betrieb.

Gerade in validierten Umgebungen, etwa in der Pharmaindustrie oder in Reinräumen, ist die Kombination aus digitalem Prüfzeugnis und schnellem Modultausch ein starkes Argument. Messstellen bleiben dokumentiert rückführbar, ohne dass kritische Anlagen stillstehen.

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Mehrwert von HLK bis Reinraum

Der HTS401 kombiniert seine Schutz- und Wartungsfunktionen mit hoher Messgenauigkeit und flexibler Integration. Er deckt einen Feuchtebereich von 0 bis 100 % rF ab und erreicht eine Genauigkeit von bis zu ±0,95 % rF sowie ±0,1 Grad Celsius im spezifizierten Temperaturbereich. Der Einsatzbereich reicht von minus 40 bis plus 80 Grad Celsius.

Typische Anwendungen sind unter anderem:

In vielen dieser Anwendungen treten hohe Luftfeuchten und Kondensationsereignisse regelmäßig auf. Gleichzeitig ist eine lückenlose Dokumentation der Messstellen gefordert. Die Kombination aus Condensation Guard und rapidX ist deshalb weit mehr als ein technisches Detail. Sie ist ein wichtiger Baustein für stabile, wirtschaftliche Prozesse.

Fazit

Condensation Guard und rapidX adressieren zwei sehr praktische Fragen bei der Feuchte- und Temperaturmessung mit dem HTS401:

  • Wie erhalte ich trotz Kondensation zuverlässige Messergebnisse
  • Wie halte ich meine Messstelle kalibriert, ohne den Prozess zu unterbrechen

Die Klimakammer- und Außentests zeigen, dass der aktivierte Condensation Guard die Zeit im Kondensationszustand deutlich reduziert und Feuchteänderungen nahe 100 % rF schneller abbildet.

Mit rapidX wird die Kalibrierung von einer potenziell wochenlangen Unterbrechung zu einem kurzen Serviceeingriff mit digital dokumentiertem Ergebnis. Für Betreiber bedeutet das weniger Aufwand, weniger Risiko und eine deutlich höhere Planungssicherheit.

Wenn Sie mehr über die kondensationsresistente Feuchtemessung mit dem HTS401 und rapidX erfahren möchten, unterstützen Sie unsere E+E Sensorspezialisten gerne.

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